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Helmut Berger: Für immer Adonis
Die Schauspielikone Helmut Berger ist tot – und bleibt unsterblich
Weltberühmt ist die Geschichte, die Oscar Wilde in seinem homoerotischen Opus magnum »Das Bildnis des Dorian Gray« erzählt. Die bildschöne und vitale Hauptfigur hat ein Gemälde seiner Selbst, das statt seiner altert. Dass in Massimo Dallamanos Kinoadaption von 1970 Helmut Berger die Titelrolle spielen musste, war zwingend. Berger ist Dorian Gray.
1944 in Österreich geboren, entfloh er der Enge der postfaschistischen Alpenrepublik und lebte in Rom, wo er sich als Fotomodell und Statist für den Film verdingte. Das Bildnis des Helmut B. wurde durch einen Mann geschaffen, der Luchino Visconti heißt. Der 38 Jahre ältere Regisseur machte Berger zu einem Star – und zu seinem Geliebten. Durch Viscontis Filme – »Hexen von heute«, »Die Verdammten«, »Ludwig II.« etwa – bleibt dessen Muse ein ewig schöner Jüngling.
Helmut Berger steht für all das, was in Österreich wie BRD und DDR in den 60er Jahren fehlte: für endlosen Genuss, für glamourösen Stil, Welthaltigkeit und durchdringende Erotik. Was nach Viscontis Tod 1976 folgte, verblasst angesichts der Eindrücke, die man einmal durch den jungen Berger auf der Leinwand gewonnen hat. Kein gescheiterter Suizidversuch, keine wiederkehrenden schlechten Filme, nervende Talkshow-Auftritte, Abhängigkeiten, Skandale und selbst keine Teilnahme am »Dschungelcamp« nehmen etwas von dem Glanz, den diese Ikone weithin sichtbar ausstrahlt.
Helmut Berger, der, wie seine Agentur mitteilte, am 18. Mai in Salzburg tot aufgefunden wurde, bleibt unsterblich.
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