- Kultur
- Berlinale 2012
Mein Tagebuch (6)
Retrospektive
Manche Filme von Meschrabpom-Film entstanden aus Anlass von sowjetischen Jubiläen und sollten Errungenschaften der Revolution feiern - und die Massenstimmung von Aufbruch und Kraft auch ins Ausland tragen.
»Pjatiletije Sowjetskoi Rossii« (Fünf Jahre Sowjetrussland, 1922) Einer der ersten Filme aus und über Sowjetrussland, der nach dem Ersten Weltkrieg in Deutschland gezeigt wurde. Ein früher Jubiläumsfilm, mit Bildern vom damaligen Moskau, zeitgenössischen Politikern, unter ihnen Trotzki, Militärparaden und nur wenig gewöhnlichem Alltag. Für deutsche Zuschauer damals brachte der Film erste Bilder von einem fernen Land voller Veränderungen und - ja, das auch: Verheißungen.
»Drugaja Schisn« (Ein anderes Leben, 1930, Scheljabuschski) Ein eindrucksvoller Filmessay über die Sowjetrepublik Aserbaidschan und ihre Hauptstadt Baku. Mit Neugier und Stolz entdecken die Filmemacher aus dem fernen Moskau die Reize und Schönheiten eines fernen, fremden Landes: Karawanen, verschleierte Frauen, die Basare und exotischen Früchte und vor allem das Erdöl als Reichtum und Arbeitgeber. Das neue Leben unter der Sowjetmacht verändert alles: Arbeit, Bildung, Sport, Wohnung. Eine filmische Hymne zum 10. Jahrestag der Sowjetmacht - realistisch, turbulent, informativ.
»Gorisont« (Horizont, 1933, Kuleschow) Der Film umreißt Emigration und Remigration eines unverwüstlich optimistischen Naturburschen: aus dem zaristischen Russland nach New York und zurück in die junge Sowjetunion. Trotz aller Anstrengungen gelingt ihm nirgends eine Karriere. Der melodramatische, abwechslungsreiche Bilderbogen wird vom kraftvollen Hauptdarsteller getragen, der den ursprünglichen Gerechtigkeitssinn seiner Figur herausstellt. Und am Ende nach vielen Jahren freut er sich, wenigstens Lokführer geworden zu sein.
Unterhaltsames, solides Kino-Repertoirefutter. Und zugleich optische Gegensätze: filmische, realitätsferne Genre-Malereien aus New York, wie man es sich damals von Moskau aus vorstellte - dagegen gesetzt expressiv durchinszenierte Szenen von Gewalt und Plünderung bei einem Pogrom in einem Bauerndorf. - Ein eigenwilliger, zugleich wenig harmonisierender Film Lew Kuleschows.
● »Pjatiletije Sowjetskoi Rossii«: Mi., 15.2., Cinemaxx 8, 14 Uhr.
Wdh. Do., 16.2., Zeughauskino, 15.30 Uhr.
● »Drugaja Schisn«: Mi., 15.2., Cinemaxx 8, 14 Uhr. Wdh. Do., 16.2., Zeughauskino, 15.30 Uhr.
● »Gorisont«: Mi., 15.2., Cinemaxx 8, 19 Uhr
Das »nd« bleibt. Dank Ihnen.
Die nd.Genossenschaft gehört unseren Leser*innen und Autor*innen. Mit der Genossenschaft garantieren wir die Unabhängigkeit unserer Redaktion und versuchen, allen unsere Texte zugänglich zu machen – auch wenn sie kein Geld haben, unsere Arbeit mitzufinanzieren.
Wir haben aus Überzeugung keine harte Paywall auf der Website. Das heißt aber auch, dass wir alle, die einen Beitrag leisten können, immer wieder darum bitten müssen, unseren Journalismus von links mitzufinanzieren. Das kostet Nerven, und zwar nicht nur unseren Leser*innen, auch unseren Autor*innen wird das ab und zu zu viel.
Dennoch: Nur zusammen können wir linke Standpunkte verteidigen!
Mit Ihrer Unterstützung können wir weiterhin:
→ Unabhängige und kritische Berichterstattung bieten.
→ Themen abdecken, die anderswo übersehen werden.
→ Eine Plattform für vielfältige und marginalisierte Stimmen schaffen.
→ Gegen Falschinformationen und Hassrede anschreiben.
→ Gesellschaftliche Debatten von links begleiten und vertiefen.
Seien Sie ein Teil der solidarischen Finanzierung und unterstützen Sie das »nd« mit einem Beitrag Ihrer Wahl. Gemeinsam können wir eine Medienlandschaft schaffen, die unabhängig, kritisch und zugänglich für alle ist.